Gustav Schörghofer




Aus Schaum geboren

Wenn ich an einem dieser Februartage aus dem Fenster schaue, sehe ich den Himmel in hellem Grau. Die Dächer sind weiße Flächen und die Fassaden ausgebleicht. Die beredte Vielfalt des Sichtbaren hat sich in Schweigen gehüllt. Im Haus gegenüber sitzen hinter Fenstern in geheizten Räumen Frauen an Schreibtischen. Sie stehen auf, gehen in andere Zimmer. Sie verschwinden und tauchen wieder auf.
Die Kunst von Katharina Stiglitz ist nicht beredt. Hier wird auch nicht erzählt. Vieles, fast alles ist in Schweigen gehüllt. Doch hinterlassen diese fotografischen Arbeiten und Installationen im Betrachter eine Spur. Das Stillschweigen der Bilder ruft Erinnerungen wach. Was verschwunden schien, taucht wieder auf. Bilder, die inmitten stiller Flächen einen Blick in andere und zauberhafte Welten auftun.
Hinter geschlossenen Lidern ist eine fremde Welt zu ahnen. Unter Falten ein Körper. In der fleckigen Streuung von Fingerhüten auf weißer Fläche lässt sich die Andeutung eines Bildes entdecken. Durch die lichte Stille der Porzellanfotografien blubbert in Blasen etwas entgegen. Erinnerungen werden in dieser Kunst aus Schaum, aus der Andeutung von fast nichts geboren.
Katharina Stiglitz arbeitet mit großer Genauigkeit. Ihre Kunst erfordert Betrachtende mit präzisem Blick und feinem Gehör. In ihnen wird der von den Arbeiten angeschlagene leise Ton einen eigenen Klang wachrufen, eine eigene Sicht. Bilder rufen Bilder wach.




Foam-Arisen

When I look out the window on one of those February days, I see a pale grey sky. Roofs are white surfaces. Facades are faded. The eloquent diversity of the visible is shrouded in silence. Behind the windows of the building opposite, women sit at their desks in heated rooms. They get up and walk into another room. They vanish, then reappear.
The art of Katharina Stiglitz is not eloquent. No stories are told. Much − nearly everything − is shrouded in silence. Yet these photographic works and installations leave their mark on the viewer. The muted images trigger memories. What had vanished now resurfaces. The stillness of a surface allows a glimpse of a mesmerizing world.
This other world can be sensed behind closed eyelids. Under wrinkles, a body. Thimbles scattered over a white surface hint at an image. Something bubbles through the bright stillness of the porcelain photographs. In these works memories arise from foam, from an intimation of nearly nothing.
Stiglitz works with great precision. Her art demands from the viewer a sharp eye and a fine ear for the faint tunes struck in these works. They evoke in the viewer a distinct sound, a distinct view. Images evoke images.

 

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